Forum Gesundes Bauen Zum zweiten Mal trafen sich Ende Oktober Fachleute aus Bauwirtschaft, Architektur, Immobilienwirtschaft und dem kommunalen Umfeld zum Forum Gesundes Bauen. Veranstaltungsort war diesmal der FEIES-Campus in Mönchengladbach. Die vom Förderprojekt Healthy Building Movement, der RM Rudolf Müller Mediengruppe und der FEIES-Gruppe organisierte Fachtagung zeigte, mit welchen baulichen Maßnahmen sich das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen in Innenräumen gezielt verbessern lassen.
Welche Kosten entstehen beim Betrieb eines Bürogebäudes? Dieser Frage ging Eva Eichenberg (Wirtschaftsförderung Mönchengladbach und damit Projektpartnerin des Healthy Building Movements) nach. Die Aufschlüsselung der Kosten zeigt, warum gesundes Bauen nicht nur aus ökologischer und gesundheitlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Während lediglich rund 1 Prozent auf Energiekosten und 9 Prozent auf Baukosten entfallen, machen die Personalkosten etwa 90 Prozent aus. Für Unternehmen liegt es daher nahe, in ein gesundes Arbeitsumfeld zu investieren, damit die Mitarbeitenden leistungsfähig und gesund bleiben. Hinzu kommt, dass wir rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen verbringen. Umso wichtiger ist es, genauer hinzuschauen, wie sich die bauliche Gestaltung auf unser Wohlbefinden auswirkt.
Raumklima beeinflusst Leistungsfähigkeit und Gesundheit
Luftqualität, Temperatur, Licht und Akustik beeinflussen unter anderem die kognitive Leistungsfähigkeit, die Produktivität und vor allem die Gesundheit. Darauf wies Dr. Stefan Flagner in seinem Vortrag hin. Noch offen ist allerdings, welchen konkreten Wertzuwachs gesundes Bauen für eine Immobilie bedeutet und inwieweit Investoren und Bauherren bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben. „Es gibt noch viel zu tun“, lautete daher auch Flagners Einschätzung. Entscheidend sei, das Thema stärker in der Gesellschaft zu verankern.
In einer Podiumsdiskussion diskutierten Sara Lux (Stadt Krefeld), Katrin Lichtenstein (Sport- und Freizeitgemeinde Grefrath), Markus Steppler (Derix), Dr. Stefan Flagner (Universität Maastricht) und Dr. Klemens Gaida (Allianz für Wärmewende Mönchengladbach) über Nachhaltigkeits- und Gesundheitsaspekte in öffentlichen Gebäuden. Anhand von Praxisbeispielen sowie aktuellen Projekten und Vorhaben zeigten sie, wo Aspekte des gesunden Bauens bereits berücksichtigt werden. Ein Fazit der Runde lautete: „Nur ein nachhaltiges Gebäude kann ein gesundes Gebäude sein, und nur ein gesundes Gebäude kann ein nachhaltiges Gebäude sein.“
Der Health Score: Gesundheitsparameter schon in der Planung messbar machen
Klaus Dosch, unter anderem Mitglied der Ressourcenkommission des Umweltbundesamts, und Carolin Arnsfeld stellten den Health Score vor. Das Tool ermöglicht bereits in der Planungsphase eine Einschätzung darüber, welche Gesundheits- und Wohlfühlparameter ein Gebäude künftig erfüllen kann. Erfolgreich zum Einsatz kam der Health Score bereits beim Haus am Kesselsturm in Dülken der VAB Wohnen GmbH & Co. KG sowie beim neuen Rat- und Bürgerhaus der Gemeinde Grefrath, das auch in der Podiumsdiskussion Thema war.
Luftqualität: Warum richtiges Lüften mehr ist als ein offenes Fenster
Was haben Bratkartoffeln in der Küche oder Malfarben in der Kita mit gesunder Raumluft zu tun? Dieser Frage widmete sich Marcel Loomans in seinem Vortrag „Air quality: Why we ventilate our buildings“. Angesichts der Tatsache, dass Menschen täglich rund 15.000 Liter Luft einatmen und einen Großteil davon in Innenräumen verbringen, ist die Frage durchaus berechtigt. Loomans' zentrale These: Lüften bedeutet nicht, täglich 50 Minuten lang ein Fenster zu öffnen. Vielmehr muss der Luftaustausch kontinuierlich gewährleistet sein. Dazu stellte er verschiedene Lüftungstechniken und Möglichkeiten wie Lüftungsgitter vor.
Das Forum Gesundes Bauen gab dem Thema gesunde Raumluft erneut eine wichtige Bühne. Weiterführende Informationen, Publikationen und Handreichungen stellt das Förderprojekt Healthy Building Movement bereit: www.healthybuildingmovement.com.
