Die Koordinationspflicht gleichzeitig arbeitender Auftragnehmer – Ein Dauerstreit!

Die Pflicht der Koordinierung gleichzeitig arbeitender Auftragnehmer (AN) ist immer wieder ein Streitthema, wenn die AN sich gegenseitig hindern. Wer ist verantwortlich?

Die Koordinationspflicht des Auftraggebers (AG)

Wenn Ihr AG mehrere AN gleichzeitig arbeiten lässt, steht die Koordinierung der Arbeiten grundsätzlich in seinem Pflichtenkreis. Das ist so auch in §_4_Abs._1_VOB/B geregelt. Damit hat Ihr AG die Aufgabe, Ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, Ihre Arbeiten ungehindert ausführen zu können. Dazu gehört in jedem Fall

  • die räumliche Abstimmung, sodass jeder AN seine Arbeiten ausführen kann,
  • die technische Abstimmung, sodass es zu keinen Kollisionen der Leistungen kommt,
  • die zeitliche Abstimmung, sodass Sie die erforderlichen Vorleistungen zeitgerecht vorfinden.

Wenn Sie Ihre Arbeiten nicht entsprechend ausführen können, müssen Sie bei Ihrem AG hindernde Umstände anmelden.

Praxistipp:
Wenn Sie merken, dass andere Unternehmer Ihre Ausführung stören werden oder Vorleistungen fehlen, können Sie dies bei entsprechendem Vorlauf im Baustellen-Jour-Fix ansprechen und um entsprechende Abhilfe bitten. Lassen Sie diesen Punkt und die zugesagten Maßnahmen im Protokoll fixieren. Wenn Sie aber tatsächlich behindert werden, müssen Sie dies zusätzlich schriftlich anmelden!

Die Übertragung der Koordinationspflicht auf den AN

In vielen Bauverträgen werden die Koordinationspflichten von Ihrem AG auf Sie als AN übertragen. Entsprechende Vertragsklauseln lauten z. B.: „Der AN hat seine Arbeiten mit allen anderen AN so zu koordinieren, dass keine hindernden Umstände eintreten.“ Dann stellt sich die Frage, wie weit diese Plicht für Sie reicht.

Die volle Koordinationspflicht scheitert daran, dass Sie als AN mit den anderen AN kein Vertragsverhältnis und daher auch keine Weisungsbefugnis haben. Sie können also keine Anweisungen erteilen, z. B. an anderer Stelle zu arbeiten etc. Also haben Sie als AN trotz der Übertragung der Koordinationspflicht nicht die volle Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf wie Ihr AG.

Was mit Sicherheit in Ihren Pflichtenkreis fällt, ist eine Abstimmung mit den anderen AN, wer wo und wann arbeitet. Das kann man als koordinierte Arbeitsvorbereitung bezeichnen. Kommt es dabei aber zu nicht zu lösenden Überschneidungen, muss Ihr AG die Koordination im Rahmen seines Weisungsrechtes erfüllen.

Sie sehen, die Grenze des Umfangs der an Sie übertragenen Koordinierungspflicht liegt irgendwo zwischen diesen Fällen und lässt sich nicht genau bestimmen. Daher sollten Sie gleich zu Beginn der Arbeiten Ihre Koordinierungspflicht ausfüllen, indem Sie in den Baustellenbesprechungen, bei denen auch Ihr AG anwesend ist, Ihre geplanten Arbeiten ansprechen und um Einwände der anderen AN bitten. Liegen Einwände vor, muss Ihr AG dies klären.

Neue Regelungen in der VOB/C

Die Normen der VOB/C sind umfangreich geändert worden. In den Abschnitten 4_ ist die Fertigstellung von Bauteilen in mehreren Arbeitsgängen durch Sie als Nebenleistung aufgenommen worden, wenn damit die Arbeiten anderer AN ermöglicht werden. Dies gilt zwar nur unter einschränkenden Randbedingungen, bedeutet aber, dass Sie gewisse Umstellungen des Bauablaufs ohne zusätzliche Vergütung hinnehmen müssen. Die Grenzen werden auch weiterhin die Gerichte beschäftigen.

Fazit

Wie immer, einigen Sie sich, bevor es zum Streit kommt!

© Dr.-Ing. Helmuth Duve, Chefredakteur BAULEITUNG KOMPAKT, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co.KG, Köln 2017